Als ich 2016 meine Coaching-Praxis in Bern eröffnete, war das ein klassisches Büro in der Altstadt: Holzboden, hohe Decken, Blick auf die Aare. Heute führe ich fast die Hälfte meiner Sitzungen über Video. Die Welt hat sich verändert — und mit ihr das Coaching.

Doch trotz aller Digitalisierung beobachte ich eine Gegenbewegung: Die Nachfrage nach persönlichen Coachings steigt wieder. Nicht trotz, sondern wegen der Digitalisierung. Menschen, die den ganzen Tag vor Bildschirmen sitzen, sehnen sich nach echter menschlicher Begegnung.

Die Verlagerung und ihre Folgen

Die Pandemie hat das Coaching digitalisiert — nicht immer freiwillig, aber mit überraschenden Effekten. Plötzlich war es möglich, Klienten aus der ganzen Schweiz zu betreuen, ohne dass jemand nach Bern reisen musste.

Aber mit der Dauer stellten sich Ermüdungserscheinungen ein. Zoom-Coaching funktioniert für strukturierte Gespräche, aber schlecht für tiefe Selbstreflexion, emotionale Arbeit, die Erkundung persönlicher Muster, die nur im direkten menschlichen Kontakt vollständig sichtbar werden.

“Wenn ich mich über Zoom öffne, fühlt es sich an wie eine geschäftliche Besprechung. Wenn ich im Raum mit dir sitze, fühlt es sich an wie ein Gespräch, das mich betrifft.” — Klientin, 29, nach einem hybriden Coaching-Prozess

Der hybride Weg

Mein Arbeitsmodell hat sich entwickelt: Die ersten zwei Sitzungen persönlich, um eine Beziehungsebene aufzubauen. Anschliessend wechseln wir auf persönliche und Video-Sitzungen. Die Abschlusssitzung ist wieder persönlich.

Das funktioniert für Klienten aus der ganzen Schweiz. Jemand aus Zürich fährt für die Einstiegssitzung nach Bern, nutzt dann Video-Termine, und kommt für die Abschlusssitzung wieder persönlich.

Fazit

Die Digitalisierung hat das Coaching demokratisiert. Aber sie hat auch verdeutlicht, was persönliche Begegnung wert ist. Die Zukunft liegt im Hybrid-Modell — für Klienten in Bern, Zürich und darüber hinaus.