Familienunternehmen sind das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft. Über 90 Prozent aller Schweizer Unternehmen sind familiengeführt. Aber genau dort liegt auch die grösste Gefahr: Der Generationenwechsel scheitert in 70 Prozent der Fälle.

Als Führungs-Coach haben ich in den letzten Jahren mehrere Generationenwechsel begleitet. Das Muster ist immer gleich: Der Gründer will loslassen, kann es aber nicht. Der Nachfolger will übernehmen, fühlt sich aber nicht legitim. Und das Unternehmen leidet unter dem Konflikt.

Die Generationenfalle

“Mein Vater sagt, er übergibt mir das Unternehmen. Aber er kommt immer noch jeden Tag ins Büro und kritisiert alles, was ich mache.” 003e — Nachfolger, 38, Industriebetrieb, Ostschweiz

Dieser Konflikt ist typisch. Es geht nicht um Kompetenz, es geht um Identität. Für den Gründer ist das Unternehmen sein Lebenswerk. Für den Nachfolger ist es eine Chance — und eine Last.

Drei Wege aus der Falle

Klare Übergabe-Datums: Der Gründer muss einen festen Tag definieren, an dem er definitiv nicht mehr kommt. Kein “langsames Übergleiten”, kein “ich bin immer noch da, falls du Fragen hast”. Eine saubere Trennung.

Externe Begleitung: Die Familiendynamik verhindert oft objektive Gespräche. Ein externer Coach kann das sagen, was Familienmitglieder nicht zueinander sagen können.

Legitimation durch Erfolg: Der Nachfolger muss schnell eigene Erfolge erzielen. Nicht um den Gründer zu überzeugen, sondern um sich selbst zu legitimieren. Coaching hilft, diese frühen Erfolge zu definieren und zu erreichen.

Fazit

Familienunternehmen sind keine Probleme. Sie sind Chancen. Aber der Generationenwechsel muss professionell begleitet werden. Nicht als Therapie, sondern als strategische Intervention. Denn die Zukunft des Unternehmens — und der Familie — hängt davon ab.